Die Barockfestspiele Fürsteneck wollen mit dem Schauspiel "Maria Trost oder eine Privatsache" (Buch und Regie: Jochen Servatius) eine historische Begebenheit ins Bewusstsein rücken. Der historische Zufall, ein Glücksfall für Fürsteneck, ist Impuls! Fundierte Recherchen über das frühbarocke Fürsteneck wollen das Vertrauen des Publikums gewinnen, eine fiktive Geschichte will bewegen:
Anno Domini 1633: Rudolph Frhr. von Grimming hat ein Kriegstrauma erlitten. Er quittiert den Militärdienst und beschließt, ein anderer Mensch zu werden... Es kommt zum Streit mit dem Vater Johann Ludwig... Ein Gnadenbild Mariens mit dem Jesuskind überlebt, wie durch ein Wunder, Brandschatzung im Markte Regen unbeschadet. Argula von Grimming, die Mutter Rudolphs, arrangiert aus ganz persönlichen und privaten Gründen, dass das Gnadenbild in der Schlosskapelle von Fürsteneck ein vorläufig neues Zuhause findet. Johann Ludwig stirbt. Das Gnadenbild geht auf Wanderschaft, denn Rudolph will es, nach Entbindung vom Pflegamt nach seinem Vater, zunächst mit nach Salzburg nehmen, wo die Familie einige Güter besitzt. Rudolphs Nachfolger im Amt, Georg Sinzl, aber verlangt noch im Zuge der Pflegschaftsübergabe, dass das Bild im Schloss verbleibt. Es kommt zum Gerichtsprozess, doch Georg Sinzl unterliegt. Die Geschichte der wunderbaren Unversehrtheit des Gnadenbildes hat sich herumgesprochen und zunehmend mehr Gläubige kommen aus der Umgebung, um ihre Andacht vor dem öffentlich ausgestellten Bild zu verrichten. Das fürstbischöfliche Konsistorium in Salzburg will abergläubischem Missbrauch vorbeugen... Auch der Fürstbischof von Passau hat von der Wirkung des Bildes erfahren und macht Ansprüche auf das Gemälde geltend... Rudolph kommt wegen Schulden in Arrest, das Gnadenbild wandert weiter und verbreitet seine Botschaft, diesmal im Allgäu, wo es in einer hölzernen Kapelle auf dem Wankerberg bei Nesselwang ein neues Zuhause findet. Doch das kleine Glück für den selbsternannten Missionar und Einsiedler ist nur von kurzer Dauer. Die Diözesen Passau und Augsburg machen Ansprüche geltend, benachbarte Wallfahrtsorte fürchten Konkurrenz. Auch Georg Sinzl hat den Verlust des Bildes nicht verwunden und will mit allen Mitteln das Bild wieder nach Fürsteneck zurückholen. Er kann Argula von Grimming nicht nur mit Geld von seinem Plan überzeugen: beide beschließen, den empfänglichen Rudolph mit fingierten Geistererscheinungen in den Wahnsinn zu treiben... Waldgeister aus dem Bayernwald und dem angrenzenden Böhmerwald sind sehr erbost und beschließen, einzugreifen, verlieren sich allerdings in territorialen Zuständigkeitsstreitigkeiten. Argula schließlich plagt das Gewissen und sie beschließt, das Gnadenbild mit Hilfe einiger Freunde zu entwenden und auf dem alten Säumerpfad, dem unteren "Goldenen Steig", außer Landes zu bringen. Dadurch aber wächst die Anfeindung Rudolphs in Nesselwang nur noch mehr. Er wird für einen Betrüger gehalten, da das Originalgemälde fehlt. Das Gnadenbild geht erneut auf Wanderschaft: Maria Trost! Parallelhandlungen, Verstrickungen, Liebesbeziehungen und weitere Einzelschicksale in einer von Hunger, Pocken, Pest und Krieg geplagten Welt komplettieren die Geschichte. Der Zweikampf zwischen Demut und Selbstbewusstsein wird entschieden. Mit der Wanderung des Bildes als treibende Kraft wandert auch der Mensch. Einem wütenden Gott steht eine gnadenreiche Mutter Gottes gegenüber. Vielleicht führt letztlich die Anrufung der Mutter Gottes zur individuellen Erlösung? Rudolphs und Argulas Seelenwanderung scheint aber eher kein Aufstieg zu Gott und konfrontiert nur die Einsamkeit eines Menschen mit dem Universum. Eine solche "Nichtvision" mutet für die visionären Exzesse des Barockzeitalters durchaus modern an.
Lassen Sie sich in 40 Szenen (biblisch die Zahl der Erwartung, der Vorbereitung, der Buße...) in die Zeit des frühbarocken 17. Jahrhunderts entführen... Ein Mord... eine Privatsache... ein Bild... ein Wunder... eine Botschaft... eine Wanderschaft: Maria Trost...